Kapitel 6:

Der König erzwingt die Verehrung seines Götzen

Schon bald nach der Entsendung von Apollonius schickte König Antiochus den Athener Geron nach Jerusalem. Er sollte die Juden zwingen, den Glauben ihrer Vorfahren aufzugeben und nicht mehr nach GOTTES Geboten zu leben. Zu seinem Auftrag gehörte es, den Tempel in Jerusalem zu entweihen und in ein Heiligtum des Griechengötzen Zeus umzuwandeln, und genauso den Tempel der Samaritaner auf dem Berg Garizim, was übrigens die Leute dort selbst vorgeschlagen hatten. Der oberste Götze der Griechen sollte in Jerusalem als Herrscher auf dem Götterberg Olymp und auf dem Garizim als Hüter des Gastrechts verehrt werden(Hellenismus).

Was nun geschah, war unerhört und empörend. Dem Bösen wurde Tür und Tor geöffnet. Die Fremden trieben es schlimm im Heiligtum. Sie hielten mit Prostituierten Gelage und verkehrten mit ihnen innerhalb des heiligen Bezirks. Auch brachten sie viele Dinge in den Tempel, die dort nicht hingehören. Auf dem Altar verbrannten sie massenhaft unreine Tiere, die nach dem Gesetz GOTTES nicht zum Opfer zugelassen sind. Man konnte weder den Sabbat halten noch die alten Feste begehen, ja, man durfte sich überhaupt nicht mehr zum jüdischen Glauben bekennen. Auf demütigende Weise wurden die Bewohner Jerusalems jeden Monat am Geburtstag des Königs gezwungen, an einem Opfermahl teilzunehmen, und am Fest des Weingötzen Dionysos mußten sie mit Kränzen aus Efeu in der Prozession mitgehen.

Auf Anregung der Bewohner von Ptolemais kamen die griechischen Städte in der Nachbarschaft Judäas überein, gegen die Juden, die bei ihnen wohnten, auf die gleiche Weise vorzugehen und sie zur Teilnahme an ihren Opfermahlzeiten zu zwingen. Wer sich weigerte, die griechischen Bräuche mitzumachen, sollte hingerichtet werden.

Nun zeigte sich erst recht, welches Unglück über die Juden hereingebrochen war. Zwei Frauen hatten ihre neugeborenen Söhne beschneiden lassen und wurden deshalb vor Gericht gestellt. Man hängte ihnen die Säuglinge an die Brust, führte sie öffentlich in der Stadt herum und stürzte sie anschließend von der Stadtmauer. Andere waren außerhalb Jerusalems zusammengekommen, um heimlich in Höhlen den Sabbat zu feiern. Das wurde Philippus, dem königlichen Bevollmächtigten, verraten, und alle wurden in ihren Höhlen ausgeräuchert. Weil sie den Sabbat heilig halten und das Sabbatgebot nicht brechen wollten, unternahmen sie nichts, um sich zu retten.

GOTT meint es gut mit seinem Volk

An dieser Stelle möchte ich meine Leser ermahnen, nicht den Mut zu verlieren, wenn sie von diesen schlimmen Ereignissen hören. Sie sollen sich vielmehr vor Augen halten: Der HERR straft unser Volk nicht, um es zu vernichten, sondern um es auf den rechten Weg zurückzubringen. Es ist ein Zeichen seiner Güte, wenn er einen Schuldigen nicht lange schont, sondern ihn sofort zur Rechenschaft zieht. Bei den anderen Völkern wartet er geduldig ab, bis das Maß ihrer Schuld voll ist. Mit uns will er anders verfahren. Er will uns nicht so tief in Schuld geraten lassen, daß er uns am Ende völlig vernichten muß. Darum schickt er uns Leiden, damit wir auf den rechten Weg zurückkehren. Aber er gibt sein Volk niemals auf und entzieht uns nicht seine Liebe. Daran wollte ich hier kurz erinnern und werde nun in der Erzählung fortfahren.

Ein alter Mann wird auf die Probe gestellt

Zu den angesehensten Gesetzeslehrern zählte damals Eleasar. Er war schon sehr alt, aber noch rüstig und eine eindrucksvolle Erscheinung. Man riß ihn den Mund auf und wollte ihn zwingen, Schweinefleisch zu essen. Eleasar aber wollte lieber ehrenvoll sterben als in Schande weiterleben. Er spuckte das Fleisch wieder aus und begab sich freiwillig zur Richtstätte. Damit gab er allen, die zur Teilnahme am Opfermahl gezwungen werden sollten, ein Beispiel. Er zeigt ihnen, daß man unter keinen Umständen essen soll, was GOTT verboten hat, auch wenn es das Leben kostet.

Die Männer, die den Auftrag hatten, dieses schändliche Opfermahl abzuhalten, waren gute alte Bekannte Eleasars. Sie nahmen ihn beiseite und machten ihm den Vorschlag: Bringe uns doch Fleisch, das du essen darfst und das du dir selbst zubereitet hast. Iß es vor aller Augen, aber tu so, als sei es das Opferfleisch, das der König vorgeschrieben hat. Wir wollen dir gerne helfen und dir das Leben retten. Wir sind doch alte Freunde!

Eleasar aber dachte an sein Alter und hohes Ansehen. Von Jugend auf hatte er vorbildlich gelebt und war in Ehren ergraut. Nun sollte er das alles preisgeben? Vor allem aber wollte er dem heiligen Gesetz GOTTES treu bleiben, und so forderte er ohne Zögern: Richtet mich hin! Wer so alt ist wie ich, darf seine Überzeugung nicht verleugnen. Viele der jungen Leute werden sonst glauben, ich mit meinen neunzig Jahren hätte mich zu der fremden Lebensweise bekehrt. Dann wird meine Heuchelei schuld daran sein, wenn sie auf den falschen Weg geraten. Soll ich alter Mann mir Schimpf und Schande zuziehen? Und das alles wegen der kurzen Zeit, die ich noch zu leben hätte? Vielleicht kann ich mich für den Augenblick vor der Strafe retten, die von Menschen verhängt wird. Aber vor dem Gericht des HERRN der ganzen Welt wird mich nichts und niemand retten, weder im Leben noch im Tod. Darum will ich jetzt tun, was sich für einen Mann meines Alters schickt, und mutig in den Tod gehen. Dann werden die jungen Männer an meinem Beispiel lernen, wie man willig und würdig für die alten und heiligen Gesetze GOTTES stirbt.

Nach diesen Worten trat Eleasar entschlossen vor zu der Stelle, an der die Hinrichtung stattfinden sollte. Seine alten Freunde hielten ihn für verrückt, und ihr Wohlwollen schlug in Feindschaft um. Während man ihn zu Tode prügelte, sagte er stöhnend: GOTT weiß alles; er weiß auch, daß ich dem Tod hätte entrinnen können. Ich leide Qualen, aber ich ertrage sie gern, weil ich GOTT gehorchen will. So starb er. Nicht nur für die Jugend, sondern auch für den größeren Teil seines Volkes wurde er zum Vorbild ehrenhafter Gesinnung und tapferen Handeln.

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