Kapitel 8:

Die Römer treten ins Blickfeld

Judas hörte von den großen Dingen, die man sich über die Römer erzählte. Sie seien erfahren in der Kriegführung und freuten sich über jedes Volk, das sie als Bundesgenossen gewinnen könnten. Jedem, der sich an sie wendet, böten sie ihre Freundschaft an. Und sie seien in der Tat eine sehr erfahrene Kriegsmacht.

Man berichtete Judas insbesondere von den hervorragenden kriegerischen Leistungen, die die Römer auf ihren Feldzügen gegen die Kelten in Norditalien vollbracht hatten. Diese waren niedergeworfen worden, und mußten den Römern Steuern zahlen. Ähnliche kriegerischen Leistungen hatten sie in Spanien vollbracht, um dort die Silber- und Goldgruben in ihre Gewalt zu bekommen. Durch Klugheit und Ausdauer hatten sie es geschafft, das ganze Land an sich zu bringen, obwohl es von Rom so weit entfernt liegt. Könige von den fernsten Ländern traten gegen Rom an. Sie hatten furchtbare Niederlagen erlitten, und wer von ihnen am Leben geblieben war, der mußte den Römern jährlich Steuern zahlen.

Auch die mazedonischen Könige Philippus und Perseus und die anderen, die sich mit ihnen zusammen gegen die Römer auflehnten, wurden besiegt und unterworfen. Sogar Antiochus der Große, der König von Asien, der den römischen Truppen mit hundertzwanzig Kriegselefanten, mit Reitern und Streitwagen und einem gewaltigen Heer entgegentrat, erlitt eine vernichtende Niederlage. Er blieb zwar am Leben, aber die Römer erlegten ihm und seinen Nachfolgern hohe Tributzahlungen auf. Ferner mußte Antiochus Geiseln stellen und einen Teil seines Gebietes abtreten. Länder, die zu den einträglichsten seines Reiches gehörten - Indien, Medien, Lydien -, nahmen die Römer ihm weg und gaben sie König Eumenes.

Als die Griechen einen Vernichtungsfeldzug gegen die Römer beschlossen hatten und der Plan den Römern bekannt wurde, schickten diese nur einen einzigen Heerführer; der vernichtete das Aufgebot der Griechen, führte ihre Frauen und Kinder als Gefangene ab, nahm ihr Hab und Gut als Beute, besetzte ihr Land und riß alle Befestigungen nieder. Seither werden die Griechen von den Römern beherrscht. Auch die anderen Königreiche und die Inselstaaten, die sich irgendwann einmal gegen Rom erhoben, wurden besiegt und der Herrschaft der Römer unterstellt. So unterwarfen sie die Könige nah und fern. Wer nur von ihnen hörte, bekam schon Angst. Ihren Verbündeten aber und allen, die sich ihrem Schutz unterstellten, waren sie stets zuverlässige Freunde. Wem sie zur Herrschaft verhelfen wollten, der kam an die Herrschaft, und wen sie absetzen wollten, den setzten sie ab. So stiegen sie auf zur Großmacht.

Und doch setzte sich niemand von ihnen je eine Krone auf oder legte sich ein Purpurgewand an, um dadurch Ansehen zu gewinnen. Vielmehr haben sie sich eine Ratsversammlung geschaffen, deren dreihundertzwanzig Mitglieder täglich zusammenkommen und über alles beraten und beschließen, was die Ordnung im Volk und das allgemeine Wohl betrifft. einem einzelnen übertragen sie jeweils für ein Jahr die Regierungsverantwortung und die Herrschaft über ihr ganzes Gebiet. Und alle gehorchen diesem einen; Neid und Eifersucht kennen sie nicht.

Das Bündnis mit Rom

Judas wählte Eupolemus, den Sohn Johannes und Enkel von Koz, und Jason, den Sohn Eleasars, aus und schickte sie nach Rom, um mit den Römern einen Beistandspakt abzuschließen und sie zu veranlassen, Israel von der griechischen Herrschaft zu befreien. Denn die Römer mußten längst bemerkt haben, daß die griechischen Herrscher Israel grausam unterdrückten. So reisten Eupolemus und Jason nach Rom; es war ein sehr weiter Weg. Dort gingen sie in die Ratsversammlung und trugen ihr Anliegen vor. Sie sagten: Judas, der auch der Makkabäer genannt wird, und seine Brüder und das Volk der Juden haben uns zu euch geschickt. Wir wollen eurer Friedensordnung beitreten, einen Beistandspakt mit euch schließen und in die Liste eurer Freunde und Bundesgenossen aufgenommen werden.

Der Antrag fand die Zustimmung der Ratsmitglieder. Die Ratsversammlung stellte eine Urkunde aus, deren Wortlaut auf Bronzetafeln eingraviert und nach Jerusalem geschickt wurde, um die Juden ständig an dieses Bündnis zu erinnern. Der Inhalt der Urkunde lautete:

Glück und Gelingen den Römern und dem jüdischen Volk für alle Zeiten zu Wasser und zu Land! Mögen beide Völker von Krieg verschont bleiben! Für den Fall eines Angriffs von dritter Seite jedoch hat die Ratsversammlung der Römer es für gut befunden, folgende Abmachungen zu treffen:

Wenn die Römer oder einer ihrer Verbündeten irgendwo in ihrem Herrschaftsgebiet angegriffen werden, soll das jüdische Volk, je nachdem die Lage es erfordert, mit in den Kampf ziehen und zu entschiedenem Einsatz bereit sein. Es darf dem Gegner keinerlei Unterstützung gewähren, weder in Form von Nahrungsmittel- oder Waffenlieferungen, noch durch Geld, noch durch Bereitstellung von Schiffen. Diesen Verpflichtungen hat das jüdische Volk ohne Anspruch auf Entschädigung nachzukommen. Das gleiche gilt umgekehrt: wenn das jüdische Volk angegriffen wird, werden die Römer, je nachdem die Lage es erfordert, mit in den Kampf ziehen und zuverlässige Bundesgenossen sein. Sie werden den Gegnern des jüdischen Volkes keine Unterstützung gewähren, weder durch Nahrungsmittel- oder Waffenlieferungen, noch durch Bereitstellung von Schiffen. Diesen Verpflichtungen werden die Römer ohne jeden Hintergedanken nachkommen.

Das ist der Wortlaut des Vertrages, den die Römer mit dem jüdischen Volk geschlossen haben. Wenn beide Seiten später übereinkommen, etwas hinzuzufügen oder zu streichen, ist das zulässig; solche Zufügungen oder Streichungen sind dann gültig.

König Demetrius haben wir wegen seines Vorgehens gegen die Juden geschrieben: Warum gehst du so rücksichtslos mit den Juden um? Sie sind unsere Freunde und Bundesgenossen! Wenn sie sich noch einmal deinetwegen bei uns beschweren, werden wir ihnen zu ihrem Recht verhelfen und zu Wasser und zu Land gegen dich Krieg führen.

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